In unserer neuen Rubrik „Was macht eigentlich?“ wollen wir immer wieder Gespräche mit ehemaligen Spielern und Funkitionären führen. Der zweite in dieser Runde ist Sören „Pille“ Pilgrim.

Hallo Sören,
du bist jetzt schon etliche Jahre weg, wohin hat es dich verschlagen und was machst du so?

Mit „Erschrecken“ habe ich festgestellt, dass ich nun schon wieder länger weg bin, als ich bei euch im schönen Rheinland – Pfalz war. Über Leipzig habe ich eine Schleife gedreht und lebe nun seit 2017 fast wieder in meiner alten Heimat zwischen Chemnitz und dem Fuße des Erzgebirges, nahe bei meinen Eltern. Nach meiner „Flucht“ nach Leipzig 2004 habe ich zwei Jahre lang eine Weiterbildung vom Elektrikergesellen zum staatlich geprüften Techniker Elektrotechniker gemacht. Seit 2006 war und bin ich größtenteils mit dem Vertrieb in der Elektromotorenbranche beschäftigt, habe dadurch ein bisschen von Europa, interessante Menschen und Firmen kennengelernt und durfte dabei auch in den letzten Monaten einige Male den Westerwald besuchen. Dabei habe ich zweimal die Chance genutzt, um für meine Firma kostenneutral bei Richie Grämer zu übernachten. Ab September werde ich eine neue Stelle antreten, wobei ich mich dabei als Leiter einer QS Abteilung versuchen möchte. Privat bin ich geschieden, habe 2015 meine neue Liebe getroffen.
Wir zwei durften uns letztes Jahr im Mai über die Geburt unserer Tochter freuen. Sportlich war ich im Leipziger Südraum seit 2004 auf Kreisliganiveau im Herren- und Altherrenbereich unterwegs. Der Verein heißt Eiche Wachau und hat vom Gefühl her viele Parallelen zur SG Ellingen. Ich habe mich dort weitere 10 Jahre fußballerisch und auch menschlich sehr wohl gefühlt. Jedoch musste ich nach einem zweiten Kreuzbandriss, diesmal im rechten Knie, Ende 2013 den Fußball als Spieler leider schweren Herzens aufgeben. Ich war danach kurz in unserem Dorfverein als Nachwuchstrainer tätig. Obwohl in unserem Keller das ein oder andere Fitnessgerät steht, beschränken sich meine momentanen sportlichen Aktivitäten auf Haus- und Gartenarbeit, sowie Gassigehen…den Hund dazu gibt es natürlich auch. Ich muss aber ganz ehrlich zugeben, nach über 40 Jahren am Ball fehlt mir dieses „Ventil“ mit all seinen Emotionen doch sehr.

Du hast etliche Jahre in der Ersten Mannschaft gespielt, gibt es spezielle Momente an die du dich heute noch gerne erinnerst?

Da erinnere ich mich während der 10 Jahre von den ersten paar Trainingseinheiten bis hin zum wirklich bitteren Abschied an so einige Momente.
Ich kann mich noch genau an die ersten Laufeinheiten der Vorbereitung im Sommer 1994 und das Aufeinandertreffen mit etablierten Landesligahaudegen, wie André Meffert oder Jörg Barg erinnern, an den bösen Abstieg, gleich nach der ersten Saison und trotz allem an den sensationellen Zusammenhalt.

An viele schöne Momente sowohl in Jahren, als wir unter schweren Bedingungen gegen den Abstieg spielten und genauso an die tolle Meistersaison, mit vielen super Spielen und späten Siegtoren.

Aber auch schwere Verletzungen z. B. von Richie Grämer, dem man den Knöchel kaputt getreten hat, an Zeitungsartikel Montags in der Rheinzeitung, an den Trainerabschied meines väterlichen Freundes, Trainers und Arbeitskollegen Rolf „Tommy“ Kahler, an den Ausruf von Nachfolger Peter Kossmann „ Weeeeeeeestenbeeeeeerg“, an die Frage von Trainer Thomas Kunar Sonntag vor dem Spiel „Jungs, was wollt ihr morgen in der Rheinzeitung lesen? Mit welchem Lebensgefühl wollt ihr morgen eure Woche beginnen, was wollt ihr auf Arbeit erzählen…?“.

Ich erinnere mich an jede! Anreise zu einem Auswärtsspiel, die ich mit unserem großen Unterstützer Alfred Müller in seinem Auto „überlebt“ habe, an seinen unnachahmlichen empörten Ausspruch auf der A3…“was macht der denn in meinem toten Winkel!!!“ als er unvermittelt auf die ganz linke Spur wechseln wollte…an jede noch extremere Heimreise nach bierseeligen Auswärtsspielen.
Ich erinnere mich an einen Schiri, der die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit verpeilt hat und eine Stunde zu spät in Linz erschien. Er entschuldigte sich mit Rheinhochwasser und gesperrten Fähren…herrlich.
Ich werde nie vergessen, wie oft uns Teammanager Rolf „John“ Gärtner Sonntags vor Heimspielen zu sich nach Hause zum gemeinsamen Essen einlud und dabei seine Frau Anneliese vollkommen überraschte.
Ich werde nie vergessen, dass ich in meinem Jahresurlaub auf Drängen von Kossi Kossmann für ein Spiel von meinen Eltern aus dem Erzgebirge nach Horressen anreiste und nach einem gebrauchtem Unentschieden direkt danach wieder 500 km zurückfuhr. Ich weiß nicht, ob es sowas heute noch gibt. Egal wie jede der 10 Saisons in Ellingen lief, ich erinnere mich an grandiose Mannschaftstouren quer durch Deutschland. Erlebnisse, die man nur mit Oerdings Song „Hundert Leben“ beschreiben muss.
Ich erinnere mich an meinen 30. Geburtstag, zu dem mir die 1. eine tolle Stripperin aus Köln geschenkt hat, DANKE…Ich erinnere mich an Regional TV Interviews, an Karneval in Willroth, an Jahrmarkt in Straßenhaus, an großen und an kleinen Sport, an Sprüche, wie „wir sind doch alle Freunde…“ wenn die Wechselzeit begann, an einen Papa, der mir nach einem Auswärtsspiel die Festnetznummer seiner Tochter in die Hand drückte, die mir irgendwann später Mario Börner klaute und selbst anrief!!! an Werner Euls linke Klebe mit immer der selben Finte, an einen Papa, der seinem Sohn mit dem Ausruf „Thoooorben“ jedes zu machende Tackling ansagte…..und an 10 Jahre, voller toller, lieber, netter und cooler Menschen auf und neben dem Platz, die mir von Zeit zu Zeit sehr sehr fehlen.

Hast du noch regelmäßig Kontakt zu ehemaligen Mitspielern und Trainern?

Leider nein. Man steckt doch leider zu sehr in seinem Alltag und ab und an merke ich, dass der ein oder andere Kilometer zu viel zwischen uns liegt und man doch sehr wenig Zeit hat. Ich habe durch den Sport so viele Menschen kennenlernen dürfen, es wäre ein absoluter Vollzeitjob, mit allen Kontakt zu halten. Ich freue mich jedoch über jeden Kontakt der sich ergibt.

Du warst ja auf dem Platz eher der „Feingeist“, dein Kumpel Richie der „Arbeiter“, hat es deshalb zwischen Euch so gut harmoniert?

Prinzipiell denke ich benötigt eine gute Mannschaft beide Charaktere. Ich kam sicherlich mit dem Ball wahrscheinlich etwas besser zurecht, war aber auf dem Platz für meine Mitspieler oft eine cholerische „Mistsau“…Fußball war Ventil für mich, ich möchte mich hier gleich mal bei allen entschuldigen, die ich so während eines Spieles angesaut habe.
Richie war unermüdlicher Kämpfer, ein Vorbild an Einsatz, zurecht jahrelang Kapitän, ähnlich wie Jörg Barg und andere Originale in Ellingen. Ob es dabei immer so harmonisch zuging, weiß ich nicht. Mit Typen wie mir, gewinnt man Spiele. Mit Typen wie Richie und Jörg und noch einigen anderen kann man ganz andere Ziele erreichen.
Insgeheim habe ich sie für ihren bedingungs- und schonungslosen Einsatz bewundert. Sie taten Woche für Woche Dinge, die man für normal hält, die keiner auf den Schirm hat. Mir hat man manchmal für nur eine gute Aktion, einen gescheiten Pass oder ein entscheidendes Tor auf die Schulter geklopft.
Das dabei die Kämpfer ein Spiel lang alles abgeräumt hatten, fiel bestimmt manchmal hinten runter. Nichts desto trotz kommen wir beide aus Sachsen, sind viele Jahre zusammen unterwegs gewesen und sind Kumpels fürs Leben.

Was würdest du zurückblickend sagen, waren die größten sportlichen Erfolge bzw. Mißerfolge?

Der größte Misserfolg in Ellingen war sicher der Landesligaabstieg direkt nach meiner ersten Saison. Das tat bitter weh, wir waren mit einem ganz anderen Anspruch 1994 in die Saison gestartet. Eine absolute Supersaison haben wir natürlich gespielt, als wir Bezirksligameister wurden.
Ansonsten war auch entsprechend den Gegebenheiten ein Klassenerhalt auch ein Erfolg. Mit etwas Abstand muss man aber sagen, dass es doch mehr so die menschlichen Aspekte sind, die Leute, die man erlebt hat, die diese Jahre zu Erfolgen macht.

Verfolgst du die Geschehnisse rund um deinen alten Verein?

Ich bin für jede aktuelle Info zum Verein offen und dankbar, komme aber selten dazu aktiv das Geschehen zu verfolgen. Ich hatte vor ein paar Wochen Besuch von Thomas Kahler, der auf Dienstreise in meiner Gegend war.
Da ist die SG natürlich ein ganz großes Thema. Ich bekomme jedoch die mediale Entwicklung der SG Ellingen in allen verfügbaren Medien mit. Die Öffentlichkeitsarbeit ist denke ich in guten Händen. Natürlich ist mir nicht entgangen, dass ihr mittlerweile einen schönen tollen Kunstrasen habt.

Wann warst du zuletzt ein Spiel gucken?

Das kann ich euch leider nicht mehr genau sagen, verzeiht mir. Es ist auf alle Fälle viel zu lange her.

Sieht man dich demnächst mal wieder als Zuschauer in Straßenhaus?

Das kann ich euch nicht versprechen, ich hätte jedoch überhaupt nichts dagegen, wenn es sich einmal ergibt. Mittelfristig solltet ihr entsprechend soweit aufsteigen, dass man euch in überregionalen Medien verfolgen kann. Dafür wünsche ich den Spielern auf dem Platz und den Machern in Kabine und Büros alles alles Gute. Wir sind doch alle Freude.

Bis bald

Sören „Pille“ Pilgrim